Wie der Diät-Score berechnet wird: Die Tatonia-Methode und ihre Grenzen
Tatonia vergibt für jedes Rezept einen Diät-Fit-Score von 0 bis 100. 10 Profile: ausgewogen, eiweißreich, zuckerarm, ballaststoffreich, mediterran, keto-sensibel. Wie der Score zustande kommt, welche Profile stabil sind und welche noch Beta, wie USDA-Daten genutzt werden. Eine Anleitung, die die Methode transparent erklärt.
Die Tatonia Redaktion··9 Min. Lesezeit
Wie gut passt ein Rezept zu einer Nutzerin oder einem Nutzer? Die Antwort hängt von der Person ab. Ein Rezept, das einer Vegetarierin entspricht, kann jemandem, der auf hohes Eiweiß achtet, zu wenig liefern. Ein Kuchen, der einem Leser mit Zuckerfokus gesund vorkommt, kann den Blutzucker schnell hochtreiben.
Tatonia regelt diese Frage automatisch: nach dem von Ihnen gewählten Diät-Profil erhält jedes Rezept einen Fit-Score von 0 bis 100. Ein kleiner Chip auf der Rezeptkarte, eine ausführliche Karte auf der Detailseite. Daneben steht ein Beta-Tag. Dieser Artikel beschreibt die Methode hinter dem Score, warum der Beta-Tag dort sitzt und wo Sie sich auf ihn verlassen können.
Was der Score misst
Der Diät-Score sagt nicht, ob ein Rezept gesund ist. "Kalorienarm" und "eiweißreich" belohnen unterschiedliche Eigenschaften. Dasselbe Rezept kann auf einem Profil 92 und auf einem anderen 35 erhalten. Der Score beantwortet: "Wie gut passt dieses Rezept zu der Ernährung, die Sie gewählt haben", er ist kein absolutes Qualitätsmaß.
Derzeit gibt es zehn Diät-Profile, fünf davon stabil dank Makro-Daten, fünf laufen mit USDA-Nährwertdaten und stehen noch in Phase 2.
Fünf stabile Profile (pro-Portion Kalorien/Eiweiß/Kohlenhydrat/Fett genügen):
Ausgewogene Ernährung: Teller mit 15 bis 25 Prozent Eiweiß, 45 bis 55 Prozent Kohlenhydraten, 25 bis 35 Prozent Fett
Eiweißreich: mindestens 25 g Eiweiß pro Portion
Kalorienarm: unter 350 Kalorien, dennoch sättigend
Vegetarisch ausgewogen: kein Fleisch plus gute Makro-Balance
Vegan ausgewogen: keine tierischen Produkte plus ausreichend Pflanzenprotein
Fünf Profile auf Basis von USDA-Daten (pro Portion Zucker, Ballaststoffe, Natrium, gesättigtes Fett):
Zuckerarm: Rezepte, die den Blutzucker nicht rasch hochtreiben. Der Zucker stammt aus USDA FoodData Central, ergänzt durch Bonus für Eiweißbalance und Ballaststoffe.
Ballaststoffreich (Beta): mindestens 8 g Ballaststoffe pro Portion. Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse als Schwerpunkt.
Natriumarm (Beta): unter 600 mg pro Portion. Herzfreundlich, hypertonie-bewusst. Nahe am DASH-Ernährungsziel.
Mediterran (Beta): wenig gesättigtes Fett, genug Ballaststoffe, ausbalancierte Makros, mit Gemüse- und Olivenöl-Schwerpunkt.
Keto-sensibel (Beta): Netto-Kohlenhydrate (Gesamt-Kohlenhydrate minus Ballaststoffe) maximal 10 g pro Portion, Fettanteil mindestens 70 Prozent der Kalorien.
Jedes Profil arbeitet mit eigenen Kriterien und Gewichten. Die Summen ergeben immer 100.
Wie die Berechnung läuft
Der Score wird von einer regelbasierten Engine erzeugt. Keine KI, sondern deterministische Mathematik. Dasselbe Rezept liefert mit demselben Profil immer denselben Score.
Jede Diät hat ihre eigene Kriterienliste. Für "Eiweißreich" zum Beispiel:
Eiweißmenge (45 Punkte): 25 g und mehr pro Portion sind die volle Punktzahl, darunter sinkt es linear
Eiweißdichte (25 Punkte): kcal pro Gramm Eiweiß möglichst niedrig (≤12 kcal/g) ist gut
Sättigung (20 Punkte): Sättigungs-Score zwischen 5 und 10 ist ideal
Vernünftige Kalorienspanne (10 Punkte): 300 bis 800 kcal
Für "Vegetarisch ausgewogen" verschieben sich die Kriterien:
Vegetarisch passend (35 Punkte): volle Punktzahl, wenn das Rezept kein Fleisch enthält, sonst null
Pflanzenprotein ausreichend (25 Punkte): 15 g und mehr
Makro-Balance (25 Punkte): alle drei Makros im Zielbereich
Kalorienspanne (15 Punkte): 300 bis 700 kcal
Jedes Kriterium nutzt eine "smooth fit"-Kurve. Je näher am Ziel, desto höher der Anteil; genau am Ziel gibt es die volle Punktzahl; über dem Ziel folgt eine leichte Strafe. Statt einer binären "bestanden / nicht bestanden"-Frage geht es um "wie nah". Dieser Ansatz wird auch von der WHO-Literatur zum Nährwertprofil empfohlen.
Der Score teilt sich in 5 Bänder:
85 bis 100: ausgezeichnete Passung
70 bis 84: gute Passung
50 bis 69: moderate Passung
30 bis 49: schwache Passung
0 bis 29: keine Passung
Ein kleiner farbiger Chip auf der Rezeptkarte spiegelt das Band: Grün hoch, Gelb mittel, Rot niedrig.
Warum das Beta-Tag noch da steht
Fünf Profile sind stabil, fünf tragen das Beta-Tag. Der Unterschied liegt in der Datenabdeckung.
Die fünf stabilen Profile (Ausgewogene Ernährung, Eiweißreich, Kalorienarm, Vegetarisch ausgewogen, Vegan ausgewogen) brauchen Daten, die wir bereits haben: pro Portion Kalorien, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett. 100 Prozent der Rezepte tragen diese Werte, der Score ist verlässlich.
Die fünf USDA-getriebenen Profile brauchen tiefere Daten: pro Portion Zucker, Ballaststoffe, Natrium, gesättigtes Fett. Wir berechnen diese Werte aus den Zutaten, nicht aus den Rezepten. Für jede Zutat ordnen wir den passenden Eintrag in USDA FoodData Central zu und skalieren mit der Menge auf den Anteil pro Portion.
Aktuell deckt diese Zuordnung 86 Prozent der Rezepte ab. Wir haben die 80 am häufigsten genutzten Zutaten (Olivenöl, Mehl, Zwiebel, Ei, Hähnchenbrust, Linsen und weitere Grundzutaten) gegen USDA-Werte abgeglichen. Für Rezepte ohne vollständigen Treffer wird der Score als "ungefähr" markiert; die Karte "Diät-Passung" auf der Rezeptdetailseite zeigt den Treffer-Prozentsatz an.
Das Profil "Zuckerarm" ist etwas robuster, weil wir bei fehlenden USDA-Daten den Kohlenhydratanteil als Fallback-Proxy nutzen; deshalb haben wir sein Beta-Tag entfernt. Die übrigen vier USDA-Profile (Ballaststoffreich, Natriumarm, Mediterran, Keto-sensibel) sind noch Beta, weil sie keinen Proxy haben und der Score bei Rezepten mit niedriger Treffer-Rate wackelt.
Der nächste Schritt in Phase 2 ist die Zuordnung der nächsten 100 bis 200 Zutaten; sobald die Abdeckung über 92 Prozent steigt, fallen diese vier Tags aus dem Beta-Status.
Datenseite: 80 Zutaten, 86 Prozent Abdeckung
Tatonias Zutatenkatalog umfasst 1387 unterschiedliche Zutatennamen. Die 80 häufigsten sind die zentralen Grundzutaten: Olivenöl, Wasser, Butter, Mehl, Zwiebel, Ei, Salz, Milch, Knoblauch, Joghurt, Zucker, Tomate, Kartoffel, Reis. Diese 80 Zutaten decken 85 Prozent der RecipeIngredient-Tabelle ab.
Für jede Zutat speichern wir:
Pro 100 g Kalorien, Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett
Pro 100 g Zucker, Ballaststoffe, Natrium, gesättigtes Fett
Die Aggregat-Berechnung eines Rezepts läuft so ab: Zutatenliste → NutritionData-Abfrage für jede Zutat → Mengen-String ("1 Tasse", "500 g", "halber Teelöffel") in Gramm parsen → pro-100-g-Werte × Gramm / 100 → summieren → durch Portionszahl teilen. Ergebnis: pro Portion Zucker, Ballaststoffe, Natrium, gesättigtes Fett.
Ein weiterer Faktor ist die Portionszahl. Die 4-Personen-Version und die 8-Personen-Version desselben Rezepts haben dasselbe Kalorien-zu-Eiweiß-Verhältnis, doch die absoluten Werte ändern sich. Wir berechnen den Score pro Portion, gebunden an den Wert "Portionen" auf der Rezeptseite. Stimmt der Wert nicht, läuft der Score ab. In rund 95 Prozent der Rezepte ist die Portionszahl korrekt, aber den Fehlerrand können wir nicht auf null bringen.
Was das Tag-Retrofit gebracht hat
In der ersten Version ist uns beim Profil "Vegetarisch ausgewogen" aufgefallen, dass nur 48 Prozent der vegetarischen Rezepte das Vegetarisch-Tag trugen, beim Rest war kein Fleisch enthalten, doch das Tag fehlte. In diesem Zustand fielen die Scores niedriger aus als sie sollten. Grund war menschliche Hand und vergessene Tags.
Die Lösung war eine automatische Prüfung. Wir haben jede Zutatenliste durchgesehen und einen Matcher gebaut, der Muster für Fleisch, Geflügel, Fisch und Schalentiere erkennt. Wenn keines davon ansprang, haben wir das Tag vegetarian ergänzt. Derselbe Matcher prüft Milchprodukte, Eier und Honig; fehlen alle drei, wird zusätzlich das Tag vegan gesetzt. Dieser Lauf fügte 1156 neue Tags hinzu.
Die Verteilung danach:
Vegetarisch: 48 Prozent → 72 Prozent
Vegan: 22 Prozent → 31 Prozent
Die automatische Tag-Vergabe ist nicht zu 100 Prozent genau. Randfälle wie "Brühe" sind mehrdeutig, eine manuelle Nachprüfung folgt später. Vorerst bleiben wir vorsichtig: im Zweifel kein Tag. Es gibt also weiterhin nicht getaggte vegetarische Rezepte, doch fast alle getaggten Rezepte sind tatsächlich vegetarisch.
Wo der Score verlässlich ist
Die zehn Profile fallen in zwei Verlässlichkeitsstufen.
Stabil (vorhandene Daten ausreichend, kein Beta-Tag):
Ausgewogene Ernährung
Eiweißreich
Kalorienarm
Vegetarisch ausgewogen
Vegan ausgewogen (das B12-Signal fehlt, eine kommende Version ergänzt einen ausdrücklichen Hinweis)
Zuckerarm (USDA plus Kohlenhydrat-Fallback, 86 Prozent Abdeckung)
USDA-abhängig, noch Beta:
Ballaststoffreich
Natriumarm
Mediterran
Keto-sensibel
Die Beta-Profile arbeiten bei rund 86 Prozent der Rezepte; bei Rezepten mit niedriger Treffer-Rate zeigt die Karte "Diät-Passung" einen Hinweis "X Prozent Treffer, begrenzte Daten". Um sie hochzustufen, muss die Zutaten-Abdeckung über 92 Prozent steigen, was die nächste USDA-Seed-Welle (von Top 80 auf Top 130) leisten wird.
Diesen abgestuften Ansatz haben wir gewählt, um kein falsches Ergebnis als richtig auszugeben. Wenn ein Nutzer "Natriumarm" wählt und ein Rezept ohne Natrium-Treffer einen erfundenen Score zeigt, ist das schlechter als der ehrliche Hinweis "30 Prozent Treffer, begrenzte Daten".
Grenzen und richtige Nutzung
Der Score ist ein Empfehlungssystem, keine medizinische Beratung. Eine diabetische Nutzerin sollte ihn nicht als Ersatz für die Glykämischer-Index-Tabelle oder ihre Ernährungsberaterin verwenden. Unser "Zuckerarm"-Score berücksichtigt die Gesamtkohlenhydrate pro Portion und kann den Unterschied zwischen schnell verdaulichem raffiniertem Zucker und langsam verdaulichem Vollkorn nicht vollständig erfassen. Phase 2 wird diese Lücke mit einer Glykämischen-Index-Schicht schließen.
Weitere Grenzen:
Keine personalisierte Kalorienberechnung. "Kalorienarm" arbeitet mit einer Schwelle von 350 kcal; abhängig von Alter, Gewicht und Aktivität kann Ihre "kalorienarme" Schwelle anders aussehen.
Allergene wie Gluten, Laktose oder Nüsse fließen nicht in den Diät-Score ein. Sie laufen als separater Filter auf der Rezeptseite über "Allergen ausschließen".
Keine Mikronährstoff-Berechnung (Vitamine, Mineralien). Eisen, B12, Kalzium und ähnliche Werte ergänzen den Score in Phase 3.
Die allgemeine Regel: behandeln Sie den Score als Hinweis. Ein Rezept mit 90 sagt "passt vielleicht zu Ihrer Ernährung", nicht "essen Sie das". Ein Rezept mit 30 sagt "passt nicht zu Ihrer Ernährung", nicht "essen Sie das nicht". Die Richtung des Scores im Auge zu behalten ist die bessere Gewohnheit, nicht die exakte Zahl.
So nutzen Sie den Score am besten
Wenn der Score aktiv ist, sehen Sie ihn an drei Stellen: einen kleinen Chip auf der Rezeptkarte, eine ausführliche Karte auf der Detailseite, eine Sortieroption auf Listenseiten.
Auf der Rezeptkarte: nur der Score und die Band-Farbe sind sichtbar, für schnelles Stöbern. Wenn Ihnen eine grüne Kachel auffällt, ist das das Signal, das Rezept zu öffnen und genauer hinzusehen.
Auf der Detailseite: ein 0-bis-100-Fortschrittsbalken plus Unter-Score für jedes Kriterium. Sie sehen genau, warum der Score so ausfällt, welches Kriterium fehlt. "35/35 für vegetarisch, aber Eiweiß ist 8 g, Ziel 15 g, also 13/25 statt 25/25", liest sich konkret.
Auf Listenseiten: unter /tarifler taucht eine Sortieroption "Passt zu meiner Ernährung" auf (nur sichtbar, wenn Sie eine Diät gewählt haben). Beim Klick werden alle Rezepte nach Ihrem Profil von hoch nach niedrig sortiert. Filter (Kategorie, Küche, Allergen) wirken weiterhin in Kombination.
Wenn Sie mit einer Zutatenliste zum Smart Assistant gehen, läuft im Hintergrund dieselbe Daten-Engine. Ein kleiner Chip neben jedem Vorschlag verrät auf einen Blick "wie gut dieser Vorschlag zu Ihrer Ernährung passt".
Transparenz und Feedback
Der Scoring-Algorithmus ist offen. Schwellen, Gewichte und Berechnungslogik liegen im Quellcode und werden bald als Open Source auf GitHub veröffentlicht. Wenn Ihnen der Score eines Rezepts zu niedrig oder zu hoch vorkommt, gibt es auf der Einstellungsseite den Link "Diät ändern", Sie können Ihr Profil vorübergehend wechseln und vergleichen.
Eine Feedback-Funktion ist in Vorbereitung: ein "Passt dieser Score für Sie?"-Check mit einem Tipp. Die Antworten helfen uns, die Phase-2-Schwellen zu kalibrieren.
Die praktische Schlussfolgerung des aktuellen Beta-Status: nutzen Sie den Score, lassen Sie ihn aber nicht allein entscheiden. Schauen Sie auch auf die Zutatenliste, den Kalorienwert und die Balance Ihres eigenen Tellers.